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Die Frau
von früher

von Roland
Schimmelpfennig
“Eine Komödie,
zu Beginn jedenfalls. Eine Komödie vom Typ der Dreiecksgeschichten, die es in
sich hat – und gleich in der ersten wie in der zweiten Szene mit einer Ohrfeige
endet. Allerdings mit derselben. Denn die Szenen wiederholen sich, in Teilen
einander identisch. Was die Ehefrau im Bad gehört zu haben glaubt, wird
anschließend offenbart, indem die Situation nur zehn Minuetn eher anfängt. Es
klingelt, es klopft, und in der Haustür steht eine Frau, die den Ehemann an
einen gemeinsamen Sommer vor vierundzwanzig Jahren erinnert. … Wie zur
Vergeltung einer unverzeihlichen Treulosigkeit verführt die Frau von früher den
Sohn ihres vergeßlichen Liebhabers – und bringt ihn, den Treulosesten der
Treulosen, anschließend just deswegen um. Verbrennt dann auch noch die Rivalin,
wie einst Medusa die Kreusa. Und es ist, als wollte Schimmelpfennig so mit
seinen Zeit- und Generationswechseln spielerisch auch den Wechsel theatralischer
Gattungen legitimieren. Denn was mit boulevardesken Situationen begann, schrammt
an der Farce vorbei in ein antikisierendes Rachedrama, das mit dem einen oder
anderen Versatzstück aus der griechischen Mythologie den Glauben an ein
Schicksal zugleich beschwört und aus den Angeln hebt. Ein Text, an Originalität
kaum zu überbieten.“
(Dietmar N.
Schmidt, Mülheimer Theatertage, „Stücke 2005“)
„Schimmelpfennig
hat einen einfach komplizierten Plot ersonnen. Nach dem Muster: Feydeau kippt in
die Tragödie. Vor Unwahrscheinlichkeiten hat er keine Scheu. Er tut, als wäre
das Absurde das Normale, womit er im Grunde gar nicht so falsch liegt. (...) Da
bricht das Absolute in die absolute Relativität ein.“ (Ulrich Weinzierl, die
Welt, 14.09.2004)
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Die Frau
von früher :
Szenische Lesung
auf Türkisch in Istanbul
www.go-dot.org
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DIE FRAU
VON FRÜHER
Man nehme eine gute alte Boulevardsituation: Frau kommt aus dem Bad, hört ihren
Mann reden, wird misstrauisch, öffnet die Haustür und sieht eine andere Frau.
Ohrfeige. Ergebnis: Der Mann ist ein ertappter Feigling, der ungeschickt seine
Geliebte versteckt. Die Frau heißt hier Claudia, ihr ertappter Mann Frank, und
die Frau vor der Tür Romy Vogtländer. Jetzt das Ganze noch mal, nur fangen alle
zehn Minuten früher an. Eine fremde Frau klingelt an der Tür, der Mann erkennt
sie nicht, erinnert sich dunkel und wird von ihr überfallartig an ein uraltes
Liebesversprechen erinnert. Der Arme ist von der Situation reichlich überfordert,
schlägt die Tür zu. Dann zum zweiten Mal Auftritt Frau aus dem Bad wie eben. Im
ersten Ablauf nimmt man die Szene wahr, wie Claudia sie sieht. Und dann wie
Frank. Mal mit, mal ohne Vorlauf, Moral ist eine Frage der Informationsvergabe.
Wäre alles nur eine dramaturgische Taschenspielerei, wenn sich daraus nicht ein
hinterhältiges Stück entfalten würde.
„Die Frau von früher“ bricht in dem Moment über die Familie herein, in dem alles
Gewesene in Kisten verpackt ist. Das bisherige Leben scheint sortiert und
abgeschlossen, da klopft sie an die Tür und spricht: Ich könnte es noch immer
sein, deine wahre Liebe?
Und sie könnte es ja auch immer noch sein. Sie kommt in einem Moment, in dem
nicht nur das Leben verpackt ist. Der Sohn ist fast aus dem Haus, er ist
neunzehn, der Aufbruch in ein anderes Land, weit weg, steht vor der Tür, es ist
der ideale Punkt, um den Schnitt zu machen.
Ist es Albtraumvision oder Wunschdenken?
Genau darin liegt natürlich der Reiz. Der Albtraum besteht darin, daß die
Forderung wahr ist. Romy verlangt, daß alle Spuren und Zeichen der vergangenen
vierundzwanzig Jahre ausgelöscht werden. Es muß die Zeit mit aller Macht
zurückgedreht werden.
Produktion: Kapuzinertheater
http://www.theatre.lu/?mod=agenda-detail&id=1150&t=p
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“Schimmelpfennigs
Die Frau von früher beweist sich in Wien als temporeicher, reizvoller Salon-Thriller.”
Frankfurter Allgemeine Zeitung
“Ein ganz famoses Stück des wahrscheinlich zurzeit begabtesten Dramatikers
deutscher Zunge.”
Der Standard / Wien
“Aufwühlend und irritierend... Liebe, Eifersucht und Verrat werden
in verblüffender Ursprünglichkeit dargeboten.”Goethe-Institut Melbourne, 2005
” Sie ist gekommen, um die Uhren zurückzudrehen: Alles auf Anfang.” Süddeutsche
Zeitung, 12.6.06
“... eine kleine, aber heftige Liebeswarnung, eine Ermahnung wegen der fehlenden
Verjährungsfrist von Gefühlen, der unberechenbaren Besessenheit der vermeintlich
schönsten Sache der Welt.”
Merkur-online
“Die Frau von früher ist ein Leichtfüssler-Drama der Schwergewichtsklasse à la
Botho Strauß und Schimmelpfennig unter den Dramatikern der jüngeren Generation
ohnehin dessen einzig legitimer Nachfolger.” Süddeutsche Zeitung, 12.6.06
Fragt man deutsche Theatermacher, Regisseure, Intendanten, Dramaturgen, hört man
immer wieder einen Namen, den sie haben wollen: Roland Schimmelpfennig, der
meistbegehrte junge deutsche Dramatiker. Seine Stücke sind in mehr als 20
Sprachen übersetzt.
Zur Handlung:Ein Umzug steht bevor, es herrscht Aufbruchstimmung. Frank wird mit
seiner Familie für den neuen Job nach Übersee gehen. Die Wohnung ist bereits
leer geräumt, nur Umzugskisten stehen noch im Korridor. Frank und Claudia führen
eine zur Routine gewordene Ehe, ohne große Leidenschaft. Der gemeinsame Sohn
Andy ist fast erwachsen und gerade zum ersten Mal verliebt. Er wird sich durch
den Umzug aber bald von seiner Freundin Tina trennen müssen. Sollen sich beide
die ewige Liebe und Treue schwören?
Frank selbst hat seine erste Liebe längst vergessen - bis Romy Vogtländer
plötzlich vor seiner Tür steht: „Damals hast du mir geschworen, dass du mich
immer lieben wirst. Ich bin jetzt da, um dieses Versprechen einzulösen.“ Einen
Sommer lang hatten sie sich geliebt. Sie waren jung, und sie gaben sich ein
Versprechen:
Sie wollten sich immer lieben. 24 Jahre später kommt diese Frau von früher
zurück und erinnert ihn an sein Versprechen. Aber Frank ist seit 19 Jahren mit
Claudia verheiratet! Ist es möglich, noch einmal von vorne zu beginnen,
weiterzumachen als hätte es kein Ende und keine Zeit dazwischen gegeben?
Alexander Wipprecht
Zwischen den Umzugskisten fordert Romy von Frank die Entscheidung: „Komm zurück.
Wir fangen noch einmal an, vergessen, was geschehen ist.“ Aber kann die Ehefrau
vergessen, was geschehen ist? „Die neunzehn Jahre Ehe kleben fest. Die kriegst
du nicht runter - das wird dir nicht gelingen - Die kleben fester als der eine
Sommer.“
Längst aber hat die Gewohnheit die Romantik abgelöst und auch Frank kennt die
Versuchung, diesem Alltag zu entfl iehen. Als Andy Romy trifft - und das mit
einem Stein direkt am Kopf - verrät er seine Liebe zu Tina und verstrickt sich
in den gleichen Versprechungen wie einst Frank. Aber Romy weiss eine
Wiederholung zu verhindern. Die Ex-Geliebte läuft Amok und startet einen
Rachefeldzug gegen die Familie des Treulosen.
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Roland
Schimmelpfennig - Der Vielseitige

von Tom Mustroph
Roland Schimmelpfennig ist ein sehr produktiver Mann. In einem Alter, in dem
viele noch an ihrem Erstlingswerk sitzen, das natürlich das jeweilige Genre
revolutionieren wird, kann er bereits auf eine stattliche Veröffentlichungsliste
verweisen. Schimmelpfennigs schon recht umfangreiches Oeuvre ist vielgestaltig.
Man kann nicht eine Methode, eine Form, einen wiederkehrenden Topos bestimmen.
In dieser Heterogenität fallen dennoch einzelne Merkmale auf. Handwerklich
besticht die Fähigkeit zum Bau von Stücken. Sie sind kompakt, weisen
Spannungsbögen auf und verlieren ihre zentrale Thematik nicht aus dem Auge.
Gleichfalls schafft er es, seinen Figuren eine adäquate Sprache in den Mund zu
legen. Aus der Reihe zeitgenössischer jüngerer Theaterautoren sticht er heraus,
weil er immer wieder wie selbstverständlich magische und archaische Praktiken
zum Konstruktionselement seiner Stücke erhebt. Hervorzuheben ist das Talent,
dichte atmosphärische Netze zu weben.
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Nach 24 Jahren erscheint eine Frau auf der Türschwelle ihres früheren Liebhabers.
Er ist seit 19 Jahren verheiratet und hat einen Sohn. Er hat einmal geschworen,
dass er sie für immer lieben werde, und jetzt erinnert sie ihn an sein
Versprechen. Als er darauf nicht eingeht, macht sie sich mitleidslos daran, sein
Leben zu zerstören. Das Theaterstück enthält 19 Szenen, die faszinierend
aufgebaut sind. Es beginnt im Jetzt, dann blendet es 10 Minuten zurück, wieder
20 Minuten vorwärts, danach zwei Tage zurück, wieder eineinhalb Tage vorwärts …Das
Geniale an dieser Arbeit Schimmelpfennigs ist, dass der Zuschauer nie den Faden
verliert, dass er sich in einer geheimnisvollen Handlung immer zurecht findet.
Aufwühlend und irritierend, der Mythos einer moderne Medea. Liebe, Eifersucht
und Verrat werden in verblüffender Ursprünglichkeit dargeboten
http://www.goethe.de/ins/au/mel/acv/tut/2005/deindex.htm
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Schauspielhaus "Damals hast du mir geschworen, dass du mich immer lieben wirst."
Es war die große Liebe, man war 17 Jahre jung und wusste nichts von der
Endlichkeit. "Und ich habe dir auch geschworen. Dass ich dich immer lieben werde."
Ein Versprechen, nicht nur flüchtig dahingesagt, auch gemeint, gefühlt in diesem
Moment. In diesem einen Satz liegt eine Welt, kostbarer als alles, was man einem
Menschen nur sagen kann. Das Schönste wäre, ihn aufzusparen, für den Einen, die
Eine. Ihn nur nicht zu verbrauchen, womöglich fehlt er dann, wenn man für diesen
einen Satz keinen Ersatz findet. Und es gibt keinen. Wiederholen sollte man ihn
nicht.
Frank und Claudia leben seit bald zwanzig Jahren glücklich zusammen. Morgen
beginnt ein neues Kapitel ihres Lebens, die Koffer sind gepackt. Zusammen mit
ihrem gemeinsamen Sohn Andi geht es nach Übersee. Letzte Vorbereitungen werden
getroffen, als es an der Tür klingelt. Frank öffnet und vor ihm steht eine Frau
im kurzen Mantel. Es ist Romy Vogtländer: "Damals hast du mir geschworen, dass
du mich immer lieben wirst. Ich bin jetzt da, um dieses Versprechen einzulösen."
Auf einer Böschung vor dem Haus sitzen Andi und seine Freundin Tina. Sie sitzen
da und wissen nicht, was sie sagen sollen. Vielleicht ein "ich liebe dich, werde
dich niemals vergessen, bleib bei mir, was soll denn werden, du". Sie halten
einander die Hand, zwei Königskinder, der Situation nicht gewachsen. Eine Frau
im kurzen Mantel verlässt das Haus vor ihnen, und Andi wirft einen Stein. Keiner
weiß warum. Die Frau sinkt nieder, getroffen, am Kopf. Andi trägt die Leblose in
die Wohnung seiner Eltern.
Es ist sein letzter Abend mit Tina: "Ich liebe dich, aber wir werden uns niemals
wiedersehen." Andi kommt nach Hause, trifft im Flur auf Romy. Ein Gespräch über
Liebe, über die Unendlichkeit der Gefühle: "Hast du es ihr gesagt?" "Ja, dass
ich sie immer lieben werde." Romy geht auf ihn zu, küsst ihn leidenschaftlich.
Verstörung, Lust, Spiel, Sex. Er wird sterben. Am Morgen trifft Romy auf Frank.
Sie fordert ihn auf, alles aufzugeben, sein Versprechen einzulösen, mit ihr zu
gehen. Er willigt ein. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.
Roland Schimmelpfennig, geboren 1967 in Göttingen, mischt in seinen Stücken
virtuos Momentaufnahmen heutigen Lebens mit mystischen Gegenwelten aus einer
anderen Zeit. Seine Stücke wie "Die arabische Nacht", (uraufgeführt in
Stuttgart) "Push up 1- 3", oder "Vorher/Nachher" werden weltweit gespielt. Am
schauspielhannover ist seine Bearbeitung von Lewis Carrolls "Alice im Wunderland"
(mit der Musik von Mousse T.) zu sehen.
Inszeniert wird "Die Frau von früher" von Elias Perrig, der Hausregisseur am
Schauspiel Staatstheater Stuttgart ist und in Hannover u.a. Arthur Millers "Hexenjagd"
und Neil LaButes "Das Maß der Dinge" herausbrachte.
"Die Frau von früher" ist eine Koproduktion der beiden Theater in Stuttgart und
Hannover und wird im Herbst / Winter am schauspielhannover und dann auch ab März
2005 am Schauspiel Staatstheater Stuttgart zu sehen sein.
http://www.staatstheater-hannover.de/sstuecke04/frau.shtml
Regie: Elias
Perrig
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"Schimmelpfennigs kleines Meisterstück behandelt die existenziellen Fragen von
Leben, Liebe, Zeit und Tod im Rahmen eines heutigen und zeitlosen Alltags,
reduziert auf den sparsamsten Gebrauch von Figuren und Handlungselementen.
Stephan Müller wirbelt das Puzzle mit Verve durcheinander, bevor er seine Teile
zu ihrem fatalen Arrangement ordnet. Er scheut sich nicht vor zupackender
Direktheit." Neue Zürcher Zeitung
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