Kopek Kadin Erkek- Ankara Devlet TiyatrosuHund,Frau,Mann

von Sibylle Berg

 

Die Frau war Single, der Mann war Single. Dann trafen sie sich - es war ein blind date.

Danach sahen sie sich öfters. Er ist Graphiker - sie ist Übersetzerin. Meist kam er zu ihr. Er brachte ihr Blumen. Sie redeten und schauten auf die Straße. Irgendwann zogen sie in eine gemeinsame Wohnung. Sie nahmen mich mit. Sie kauften neue Möbel. Einmal fuhren sie nach Paris - ohne mich. Manchmal weinte sie, und er schimpfte. Sie wurden ein Paar. Ich bin ihr Hund.

 

Sibylle Berg wurde am 2. Juni 1962 in Weimar geboren. Sie arbeitete als Lexikonverkäuferin, Puppenspielerin und Tierpräparatorin. Seit 1996 ist sie als Autorin für diverse Zeitschriften tätig. 1997 veröffentlichte sie ihren ersten Roman „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot.“ Darauf folgen weitere Romane wie „Sex II“, „Amerika“, „Gold“ und „Das Unerfreuliche zuerst. Herrengeschichten“. Heute lebt sie in der Schweiz.

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

"Den Lebensnerv getroffen"

Burgtheater im Kasino: Erfolg für „Hund Frau Mann“

Kein Wort zu viel, kein Wort zu wenig: Vor allem ersteres trifft auf den Stil von Sibylle Berg zu. Ihr Theaterstück „Hund Frau Mann“ hatte am Samstag Premiere im Burg-Kasino. Und Regisseur Stephan Müller tat das Seine dazu, um den Text noch mehr zu skelettieren.
Die geplante Spieldauer von 75 Minuten wurde auf eine Stunde verknappt. Zu Gunsten der Dichte, sicher; zu Ungunsten des Schlusses, den Müller sich lieber als hübsch angelegtes, aber unglaubwürdiges Happy End zusammenreimte, vielleicht.
So simpel und klar der Titel des Stücks, so auch der Inhalt. Frau und Mann lernen einander kennen, beziehen eine gemeinsame Wohnung und haben fortan gegen Entfremdungs- und Gewohnheitserscheinungen im Beziehungsalltag zu kämpfen. Die unterhaltsame wie philosophische Komponente dazu liefert ein Hund. Der Streuner nistet sich, die Laune des Augenblicks und des jungen Glücks witternd, als Nutznießer und scharfsinniger Kommentator des Geschehens im gar nicht trauten Heim ein. Auf der Bühne gibt diesen, laut Text hyänenartigen, mit Vogelzügen ausgestatteten Vierbeiner Hanspeter Müller. Mit verhaltener, stets treffender Gestik und herzerweichendem Dackelblick ist er unaufdringlich präsent und fern der Gefahr einer dümmlichen Wauwau-Show.
Sabine Haupt hat ihre Rolle gut studiert. Perfekt ihr Touch als frustrierte, einsame Single-Frau, nahtlos der Übergang zur mindest ebenso frustrierten Beziehungsgeschädigten. Ein fast unmerklicher, schriller Unterton in der Stimme zeugt von der Verzweiflung hinter allem Geschwätz.
Auch Edmund Telgenkämpfer schafft es mühelos, das Ausstellen von Oberflächlichkeit und ungerührter Männlichkeit mit einer große Portion an Sensibilität dezent zu hinterlegen.
Eine beachtliche Schwerelosigkeit zeichnet Müllers Inszenierung aus, die spielerische und ausgelassene, schwermütige und leere Momente stets auf den Punkt bringt. Unterstützt wird die umjubelte Aufführung durch stimmige Musikauswahl und perfekt eingesetzte, ambitionierte Videoeinspielungen (Nives Widauer), die zeitweise den darauf abgestimmten Bühnenraum (Sigi Mayer) dominieren. Nähe und Ferne, Zuwendung und Abneigung - zum Beziehungsspiel kommt eine weitere Dimension, oft auch Kontrast hinzu.

Caro Wiesauer , Kurier 14.01.2002