DU SOLLST MIR ENKEL SCHENKEN

von Thomas Jonigk

 

Mit allen Mitteln versucht die Mutter, ihren Sohn zur Heirat und damit zur Erfüllung ihres Wunsches nach Familienzuwachs zu bewegen. Der Soziologiestudent im 27. Semester ist jedoch nur dem eigenen Geschlecht zugetan. Vor “unbekannten Befruchtungsobjekten” fürchtet er sich. Alle mütterlichen Druckmittel verfehlen ihre Wirkung. Ein bigotter katholischer Pfarrer präsentiert eine übermäßig dicke Heiratskandidatin mit dem biblischen Namen Maria. Unter der Bedingung, sich aus der Familienumklammerung zu lösen, ist der Sohn zu einer natürlich kinderlosen Heirat bereit. Doch die Mutter erhebt unnachgiebig ihre Forderung, endlich die “Enkellosigkeit dieser Familie zu beenden”. Verzweifelt greift der Sohn zum Elektromesser. Mit diesem Stück setzte sich Jonigk als einer der bekanntesten Vertreter des neoabsurden Theaters der 90er Jahre durch. Grotesk überzeichnet er die Familie als bürgerliche Hölle, indem deutsche Klischees von Ordnung und Gewalt für eine aggressive Kritik an der gegenwärtigen Gesellschaft benutzt werden. Auf erschreckende Weise stellt er die Brüchigkeit von Werten wie Toleranz und Emanzipation bloß. Bei den Mühlheimer Theatertagen 1995 wurde der Autor für dieses Stück mit dem Förderpreis ausgezeichnet.

 

Jonigk, Thomas

1966 in Eckernförde geboren. Studium in Berlin (Mediävistik, Neuere Deutsche Literatur und Theaterwissenschaften, Magisterabschluss 1991). Thomas Jonigk hat an mehreren Projekten an verschiedenen Stadt- und Staatstheatern gearbeitet, vor allem mit Stefan Bachmann und seiner eigenen Theatergruppe "Theater Affekt".

Seit 1991: Theater-, Hörspiel- und Romanautor, Librettist

 

Seit 1997: Arbeiten als Regisseur an der Volksbühne Berlin (ROTTWEILER) und am Schauspielhaus Wien (ICH LECKTE DAS DEODORANT EINER NUTTE, BESTIEN IM FRÜHLING

 

1997 - 1999: Chefdramaturg am Schauspielhaus Wien

 

seit 2000 lebt Thomas Jonigk als freischaffender Autor in Berlin

 

Preise:

1993: Preis der Frankfurter Autorenstiftung

1995: Stücke-Förderpreis des Goethe-Instituts für DU SOLLST MIR ENKEL SCHENKEN im Rahmen der Mülheimer Theatertage 1995

1995: Nachwuchsdramatiker des Jahres

1997: Drama Logue Critics Award for Outstanding Achievement in Theatre für YOU SHALL GIVE ME GRANDSONS

 

Stücke

VON BLUTROTEN SONNEN,

DIE AM HIMMELSZELT SINKEN

UA: 11.04.1994, Schauspiel Köln

 

DU SOLLST MIR ENKEL SCHENKEN

UA: 08.10.1994, Schauspiel Bonn

Nominiert als bestes Theaterstück 1995 bei den Mülheimer Theatertagen

 

ROTTWEILER

UA: 12.11.1994, Bayerisches Staatsschauspiel München

 

TRIUMPH DER SCHAUSPIELKUNST

UA: 21.01.2000, Maxim Gorki Theater im Schiller-Theater, Berlin

 

TÄTER

UA: 12.1999, Deutsches Schauspielhaus Hamburg

Nominiert als bestes Theaterstück 2000 bei den Mülheimer Theatertagen

 

DIE ELIXIERE DES TEUFELS

nach Motiven von E.T.A.Hoffmann

UA: Juni 2001, Theater Basel

(Auftragswerk des Theaters Basel)

 

Hörspiele

MACHTÜBERNAHME

Ursendung: 1994, WDR

 

VATERFRÜHLING

Ursendung: 1996, WDR

 

 

Libretti

HELIOGABAL

Libretto für eine Oper von Matthias Pintscher

UA: Salzburger Festspiele 2001

 

 

Roman

JUPITER

Residenz-Verlag, Salzburg (1999)