Das Kaffeehaus  

eine Komödie frei nach Carlo Goldoni

von Rainer Werner Fassbinder

 

 

Eine Piazza in Venedig: Alltag, Liebe, Betrug, Geschäft, Eifersucht - kurz: Verwicklungen aller Art prallen hier aufeinander.

Ordnender Geist in diesem Chaos der Gefühle ist Ridolfo, der gutherzige Kaffeehaus - Besitzer. Er will nur Gutes und verträgt sich mit allen - sogar mit seinen schlitzohrigen Nachbarn, dem Casino - Besitzer Pandolfo und dessen Rausschmeißer Gonzo. Doch sein mildes Herz wird arg auf die Probe gestellt: Donna Marzia, die übelste Klatschbase Venedig´s, sorgt mit ihren falschen Andeutungen und Gerüchten eifrig für Missverständnisse jeglicher Art.

Tja, dann taucht dann auch noch der Hallodri Eugenio auf, der sich doch ein bisschen viel um andere Frauen und ein bisschen wenig um seine eigene, hochschwangere Gattin kümmert! Der raffinierte Hochstapler Leandro scheint seine bessere Hälfte sogar schon gänzlich vergessen zu haben! Und überall und immer wieder tauchen diese schrecklichen Touristen auf...

 

 

Skandal! Ein junger Mann, Eugenio, hat sich in der vergangenen Nacht am Spieltisch ruiniert. Verführt zum Spielexzess und über den Tisch gezogen wurde er vom Grafen Leander, einem geheimnisvollen Fremden, der die Frauen schwach und die Männer arm werden lässt. - Solche Neuigkeiten werden am frühen Morgen im Kaffeehaus besprochen, und Ridolfo, der Kaffeehausbesitzer, ist besorgt um seinen Freund Eugenio und dessen Spielschulden, die sogar dazu geführt haben, dass er den Schmuck seiner Frau Vittoria versetzt hat. Als Vittoria durch eine Indiskretion des Klatschmauls Don Marzio davon erfährt, bahnt sich eine saftige Ehekrise an. Stress mit den Frauen hat allerdings auch der Graf Leander, der nicht nur am Spieltisch zu bluffen versteht, sondern sich als Eheschwindler entpuppt, der unter falschen Namen reist und der Tänzerin Lisaura die Verlobung anträgt. Allerdings weiß er nicht, dass seine Gattin Placida bereits in der Stadt eingetroffen und ihm dicht auf den Fersen ist.

Leidenschaften und Lügen überkreuzen sich im Kraftfeld der unmittelbar benachbarten Häuser: Kaffeehaus und Spielhaus. Und das Venedig der Karnevalszeit ist eine geeignete Brutstätte für die Spiele die die Figuren miteinander treiben. Dabei leben sie alle kräftig über ihre Verhältnisse, sowohl in Geld- als auch in Liebesangelegenheiten.

Dass durch die list und Besonnenheit der Frauen sich zum Schluss alles zum Guten wendet, die Bösen bestraft und die Verblendeten bekehrt werden und die richtigen paare zueinanderfinden, dafür sorgt der Komödienplot Goldonis, den Rainer Werner Fassbinder in eine gestochen klare und geistreich Sprache gefasst hat.

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